Wie reagieren die Kommunen?

Wie fast überall ist der Fachkräftemangel auch im Erziehungsbereich zu spüren. Viele berichten von Schwierigkeiten, geeignetes und qualifiziertes Personal zu finden und langfristig zu halten. Wir geben einen Einblick wie die Kommunen Markkleeberg und Unterhaching die Situation einschätzen und Lösungen bieten.

Eine pädagogische Betreuung in Kindertagesstätten ist der Grundstein für die ersten wichtigen Lebensjahre eines Kindes. Jedoch spürt man überall den Fachkräftemangel bei ausgereizten Kapazitäten der Einrichtungen. Das Familienministerium startete 2019 das Bundesprogramm Fachkräfteoffensive für ErzieherInnen. Ziel dabei ist es, mittels attraktiver Ausbildung, Fachkräfte zu gewinnen und langfristig im Beruf zu halten. Laut der Weiterbildungsinitiative „Frühpädagogische Fachkräfte“ arbeiteten 2018 rund 621.000 Personen als pädagogisches und leitendes Personal in einer Kita. Trotz konstant steigender Zahlen ist aufgrund demografischer Entwicklungen, des verbesserten Personalschlüssels und Bedarfs durch ausscheidende Beschäftigte mit einer zunehmenden Personallücke zu rechnen. Das Wirtschaftsmagazin ‚Prognos‘ geht davon aus, dass bis 2030 insgesamt 199.000 ErzieherInnen fehlen werden.

Schwierige Personalsituation

Wie schätzen die Kommunen die Personalsituation ein? Christian Funke, Bereichsleiter für Schulen, Kindertagesstätten und Sport in der Stadtverwaltung Markkleeberg, berichtet: „Wie vermutlich in fast jeder  Kommune ist auch bei uns die Situation nicht einfach. Aktuell verfügen wir über freie Stellen und schreiben diese dauerhaft aus.“ In der Gemeinde Unterhaching im Landkreis München beschreibt Amtsleiter Simon Hötzl die Personalsituation als derzeit „äußerst angespannt“.

Anreize schaffen

Kostenloser Eintritt ins Schwimmbad oder Ferienbetreuung für die Kinder der ErzieherInnen. Wie gehen die Kommunen vor, um den Bedarf an Fachkräften zu sichern? „Unser Ziel ist es, mit modernen und gut ausgestatteten Einrichtungen zu punkten. Wir bieten Bezahlung nach Tarifvertrag und ein Arbeitsumfeld in einer touristisch aufstrebenden Stadt mit sehr guten Anbindungen an die nahe Großstadt Leipzig“, so Christian Funke aus Markkleeberg. In Unterhaching lockt man Interessierte mit „überdurchschnittlich finanziellen Anreizen durch spezielle Eingruppierungen sowie der Gewährung einer arbeitsmarktpolitischen Zulage in Höhe von 200 Euro pro Monat“, erklärt Simon Hötzl. Auch Unterstützung bei der Suche nach preisgünstigem Wohnraum für neueingestellte MitarbeiterInnen sei wichtig. „Wir bieten gleich zum Einstieg die Möglichkeit, ein WG-Zimmer oder eine Dienstwohnung zu beziehen.“ Preiswerte Saisonkarten für das Freibad sowie einen günstigen Anstellungsschlüssel für mehr Freiraum in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern sind weitere Aspekte in der Fachkräftegewinnung.

Potenziale nutzen

Christian Funke sieht in den Arbeitsbedingungen einen Schwerpunkt, um die Entwicklung des Personals zu stärken: „Die ErzieherInnen müssen in ihrer täglichen Arbeit genügend Rückendeckung erhalten. Aktuelle Maßnahmen wie die Kombination aus Ausbildung und Arbeiten helfen ungemein.“ Auch Simon Hötzl sieht  Potenzial: „Wir bieten ab 2020 eine optimierte und verkürzte Erzieherausbildung, sodass alle BewerberInnen von Anfang an bei uns angestellt sind. Nach erfolgreichem Abschluss haben sie eine nahezu einhundertprozentige Chance einen gutbezahlten und sicheren Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst angeboten zu bekommen.“ Die rund 300 Millionen Euro aus der Bundesoffensive können einen wichtigen Impuls für die zukünftige Entwicklung setzen. Dass die Kitas trotz aller Schwierigkeiten eine hervorragende Arbeit leisten, liegt vor allem an den Menschen – und diese legen den Grundstein für die Zukunft unserer Kinder.

Ein Beitrag aus der kita.kompakt Ausgabe Nr. 3 | 2019